Hallo,

während ich eine Woche bei Sandras Eltern verbracht habe, ist sie mal wieder zu einer spannenden Reise aufgebrochen. Eigentlich wäre ich sehr gerne dabei gewesen, aber sie meinte, 20 Stunden Reise im Zug und Flugzeug bis nach Eritrea wäre nichts für mich. Da stelle ich mir doch erst einmal die Frage, wo ist Eritrea überhaupt??? Habe mir den Atlas geschnappt und nachgesehen. Eritrea ist ein kleines Land in Afrika. Dort ist das Leben für die Menschen nicht so einfach, wie bei uns. Es gab  Kriege mit Äthiopien, dem Sudan und auch eine lange Dürrekatastrophe. Außerdem ist das politische System recht schwierig.

Sandra ist mit Archemed dorthin gereist. Das ist eine Organisation, die sich um Kinder in Eritrea kümmert. Zusammen mit Kinderärzten, Krankenschwestern und Pflegern, Handwerkern und Herzchirurgen war sie in der Hauptstadt Asmara. Im Orottahospital haben sie Kinder mit Herzfehlern operiert. Also, nicht Sandra hat operiert. Davon hat sie ja mal so gar keine Ahnung. Aber das angereiste Herz Team schon. Mit viel Fachkenntnis, Fürsorge und Geduld haben sich alle liebevoll um die kleinen Patienten gekümmert. Und das ist eine perfekte Kombi, finde ich. Die Bedingungen sind allerdings nicht so gut, wie hier bei uns. Manchmal fällt sogar während einer OP der Strom aus. Aber auch das wurde von den Beteiligten gemeistert. Zur Not hält halt einer eine Taschenlampe hoch.

Was ich irre finde, ist wie schnell sich die Kids von so einer OP erholen. Viele konnten schon nach 2 Tagen von der Op-Intensivstation zur Kinderstation verlegt werden. Die, die schon laufen konnten, sind einfach zu Fuß rübergegangen. Dafür wäre eine Tapferkeitsmedaille fällig gewesen. Gummibärchen waren ein gefeierter Ersatz.

Sandra hat sich dann in ein Baby von der Frühgeborenenstation verliebt. Auf der sogenannten Neo, werden die kleinen Minimäuse „aufgepäppelt“ und so gut es geht medizinisch versorgt. Ihre Mütter wohnen nebenan in einem Mütterhaus und kommen im 3Stundentakt auf die Station, um die Kinder zu versorgen. Die Mütter bekommen 3 Mal täglich eine Getreidesuppe, damit sie ausreichend Milch und Kraft für ihre Kinder haben. Dank der Geldspenden, die Sandra in Deutschland dafür bekommen hat, ist die Suppe jetzt bis Dezember 2018 bezahlt und gesichert. Schwester Elsa hat die Spende strahlend entgegen genommen und wird dafür sorgen, dass die Mütter weiterhin mit Suppe versorgt werden.

Um die Kinderintensiv im Orotta haben sich Maren und Marit gekümmert. Die Station läuft immer besser. Sogar, wenn die deutschen Helfer nicht mehr vor Ort sind. Und das ist doch das, was gewünscht ist. Komplett überflüssig wird das Team aber so bald nicht werden.

Insgesamt, sind die medizinischen Bedingungen nicht vergleichbar mit unseren. Oft fehlen ganz simple Medikamente oder andere Dinge, um Patienten zu behandeln und zu versorgen. Auf der Kinderintensiv gibt es noch nicht einmal fließendes Wasser!!! Deshalb musste für die Stationswäsche eine Waschmaschine her, in die Wasser per Hand gekippt wird. Diese ist mit vielen anderen Spenden im Container nach Eritrea geschickt worden.

Zusätzlich haben alle, die hingereist sind im Gepäck noch viele nützliche und schöne Dinge mitgeschleppt.

Sandra hat von vielen lieben Menschen Medikamente, Kinderkleidung und Gummibärchen bekommen. Als sie für die Reisegepackt hat, habe ich schon befürchtet, sie würde auswandern. So viele Sachen lagen bei uns herum. Ich war gespannt, wie ein Flitzebogen, wie sie das alles in zwei Gepäckstücken unterbringen würde. Hat aber geklappt. Mit einem Riesenkoffer und einem bis in die letzte Ecke vollgestopften Trekkingrucksack ist sie losgezogen. Und sie hat mir erzählt, dass die Schlepperei sich gelohnt hat. Die Kids haben sich über die Gummibärchen und Luftballons wie verrückt gefreut.

Auch die mit viel Liebe genähten Kleidungsstücke und der Lagerungssack haben ihren Platz gefunden. Sandra war auch total begeistert von der Gastfreundlichkeit in Eritrea. Selbst, die, die selber kaum etwas haben, möchten das noch mit einem teilen.  Und ohne einen Kaffee oder Tee getrunken zu haben, darf man nicht gehen. Der Kaffee wird in einer aufwendigen Zeremonie zubereitet und schmeckt laut Sandra ziemlich gut.

Spannend fand sie auch den Besuch auf dem Metallmarket. Hier wird alles, aber auch wirklich alles an Metall angeboten und verarbeitet. Überall hört man das Klong-Klong vom Schlagen auf Metall. Dort arbeiten allerdings auch Kinder, die ihren Eltern nach der Schule noch helfen. Oder, die eventuell gar nicht zur Schule gehen.

Außerdem wird dort Chili verarbeitet. Uns treibt das die Tränen im Vorbeigehen in die Augen. Die Frauen dort, sortieren und mahlen die getrockneten Schoten einfach so. Da sieht man mal wieder, was wir Europäer für Mimöschen sein können.

Alles in allem haben alle Helfer dort gute Arbeit geleistet und sind mit Spenden im Gepäck hin und mit vielen Eindrücken zurück gereist.

Wichtig ist die nachhaltige Hilfe vor Ort, und da gibt es immer noch einiges zu tun. Wenn euch die Projekte interessieren, schaut einfach auf der Homepage von Archemed nach.

Sandra überlegt jetzt schon, wann sie wieder hinfährt. Ohne mich natürlich!!! Aber dafür bleibe ich doch gerne zurück und vielleicht fällt mir auch noch etwas ein, wie ich von hier aus helfen kann. Ich könnte doch einfach mal Stofftiere sammeln?! Meine kann ich leider nicht spenden. Die haben keine Ohren und Schwänze mehr. Und die Spenden sollten schon heile sein. Kaputtes sollen die Kids auch nicht bekommen.

Bis Bald

Toni