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Ein Therapiehund unterwegs

Kategorie: Briefe (Seite 1 von 19)

Brief 187- Mannomann

Mannomann,

das was mir heute erzählt wurde finde ich wirklich nicht schön. Stellt euch mal vor, da geht ein Mann in eine Kneipe, um in Gesellschaft ein Bier zu trinken. Bis dahin erst einmal nichts Außergewöhnliches. Dieser Mann hat aber eine starke Gehbehinderung, durch die er häufig mit seinem Stock sehr wackelig unterwegs ist. Während seines Aufenthaltes in der Gastwirtschaft bemerkt er, dass ein Bein tauber wird und er es immer schlechter kontrolliert bewegen kann. Daraufhin bittet er um ein Taxi, das ihn zur Kontrolle in die Klinik bringen soll. Leider scheint der Fahrer davon auszugehen, dass der potentielle Fahrgast auf Grund von Betrunkenheit so gangunsicher ist und schwankt. Auch auf die Versicherung hin, dass er nicht betrunken sei, sondern auf Grund einer Erkrankung so schlecht gehen kann, möchte der Taxifahrer den Mann nicht transportieren. Er rät ihm, sich einen Krankenwagen zu rufen!!!

Jetzt einmal Hand auf`s Herz. Taxifahrer erleben sicherlich sehr, sehr häufig unangenehme Fahrgäste und haben auch das Recht eine Fahrt zu  verweigern. Aber den Rat bzw. Tipp zu geben sich einen Krankenwagen zu rufen, finde ich schon frech. Wenn ich davon überzeugt bin, dass ich den Fahrgast nicht transportieren kann, weil ich es für gefährlich halte, falls er wirklich medizinische Hilfe benötigt. In diesem Fall rufe ich aber den Krankenwagen und kümmere mich bis der eintrifft um das Wohlergehen der Person. Oder ich transportiere denjenigen nicht, weil ich es für unzumutbar halte, weil er evtl. zu betrunken ist. Das in diesem Fall weiterhin anzunehmen, wenn doch erklärt wird, woher die Unsicherheit beim Gehen kommt, ist schon traurig.

Glücklicherweise wurde der Mann dann von den Rettungssanitätern und in der Klinik gut versorgt und er konnte nach 2 Tagen wieder entlassen werden.

Traurige Worte seinerseits: „Da geht man mal vor die Tür, um in Gesellschaft ein Bier zu trinken und wird behandelt, wie ein Volltrunkener, obwohl man das gar nicht ist.“

Ich hoffe, er wird trotzdem weiter mit Spaß in Kneipen gehen.

Bis dahin

Toni

Brief 186- Emmi und die Kekse

Hallo,

Freitag war es hier bei uns voll aufregend. Erst waren wir im Dunkeln Joggen. Total früh morgens. Später habe ich dann verstanden, was der frühmorgendliche Stress sollte…

Mittags haben wir die kleine Emmi von der Kita abgeholt. Da sie aber der Meinung ist, dass sie schon groß ist und das Meiste alleine kann, gestalten sich manche eigentlich einfachen Dinge als langwierig. Z.B. Spazierengehen…alles ist voll spannend und mit ihren kurzen Beinchen macht sie nur kleine Trippeltrappelschritte. Wir sind ungefähr 400m weit gekommen und haben uns gefühlte 500mal im Kreis gedreht. Rundherum ist nämlich ihr Lieblingsspiel. Glücklicherweise füttert sie mich auch total gerne und konnte es nicht glauben, dass der Futterbeutel irgendwann leer ist. Ich ehrlich gesagt auch nicht. Vielmehr verdächtige ich Sandra, dass sie uns beide vernatzt hat!!!

Zu Hause angekommen haben Emmi und Sandra Kekse gebacken. Das war eine Gaudi. Emmi hat auch alles versucht um Sandra davon zu überzeugen, dass ich auch welche bekomme. Da war meine liebe Sandra aber sehr streng und hat aufgepasst, wie ein Lux. Emmi hatte keine Chance mir heimlich einen zuzustecken. Aber die Kleine ist echt pfiffig und hat immer aus Versehen ganz dicke Krümel fallen lassen. Die habe ich dann Staubsauger like inhaliert. Sandra hat das gaaaaaar nicht mitbekommen, glaube ich…

Abends war ich von dem Spaß ganz müde und habe von vielen Keksen geträumt.

Mein Favoriten Rezept schreibe ich euch hier noch auf. Es ist ein originales Rezept von den Nonnen aus Eritrea, die dort in einem italienischen Orden leben und sich um Waisenkinder kümmern.  Sandra bekommt die  Kekse dort immer serviert, wenn sie Spenden für die Kids hinbringt. Da sie sie auch so gerne mag, hat sie die Ordensschwestern nach dem Rezept gefragt.

Schaut selbst und viel Spaß beim Ausprobieren.

 

Eritrea Kekse

1kg Mehl

6 Eier

300g Zucker

1 Glas Öl (200ml)

1 Glas Milch (200ml)

1 Päckchen Vanillezucker & das Mark einer Vanilleschote

2 TL Backpulver

2 Beutel Zitronenaroma/ oder ein paar Spritzer Zitrone

Alles mischen, mit Knethaken verkneten und fingerdicke, ca. 5cm lange Kekse formen. Auf ein gefettetes oder mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und bei ca. 180/200 Grad backen.

 

Guten Appetit

Toni

 

Brief 185- Besuch in der Kita Regenbogen

Hallo,

am Freitag haben wir die Maxi-Kids der Kita Regenbogen besucht. Vorab hatte ich ihnen einen Brief geschrieben und mich hochformell angekündigt und vorgestellt. In dem Brief standen auch die wichtigsten Regeln zum Thema Hund. Also, die wichtigsten meiner Meinung nach. Habe das aber auch noch vorsichtshalber von Sandra absegnen lassen. Manchmal driften unsere Meinungen bekannter Weise dezent auseinander. Weiterhin habe ich versprochen, dass sobald die Kids die Regeln beherzigen, ich sie in der Kita besuchen komme.

Und siehe da, ratzifatzi habe ich ein Antwortschreiben erhalten. Darin steht, dass sie die Regeln geübt haben, ich auf dem Foto kuschelig aussehe und sie sich auf meinen Besuch freuen. Vor allem den Teil mit dem kuschelig aussehen lese ich besonders gerne.

Da sie fleißig so  geübt haben, haben wir kurzerhand oder besser gesagt dicke Pfote unsere Sachen gepackt und sind zur Kita gefahren. Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen…

Uiuiui, die Aufregung war auf beiden Seiten groß. Sogar ich war hibbelig. Ich weiß gar nicht genau warum. Normalerweise bin ich ein echt cooler Chilliboy.

Und die Aufregung hat sich gelohnt. Alle haben super gut mitgemacht, konnten die Regeln und wussten auch schon viel über Hunde. Das haben die Erzieherinnen wirklich toll mit den Kids geübt und besprochen. Dickes Lob an alle Beteiligten.

Sogar einer der Jungs, der „eigentlich“ Angst vor Hunden hat, hat Übungen mit mir gemacht und mich gestreichelt. Hut ab, ich bin nun auch nicht grade ein kleines Hundeexemplar. Aber ich sag es doch immer wieder, diese Minihunde, die meinen, sie seien groß und gefährlich, wie ein Raubtier sind viel furchteinflößender, als ich Teddyschnuckelhund!!!

Am Ende haben alle ihren Hundeführerschein bestanden und konnten eine Urkunde mit nach Hause nehmen.

Und Sandra und ich haben auch ein Geschenk bekommen. Vielen Dank nochmal dafür. Das haben wir bereits aufgefuttert. Also, jeder sein eigenes. Ich hätte zwar gerne etwas von ihrer Schokolade probiert, aber davon gibt sie nichts ab. Ist auch total ungesund für Hunde, quasi Gift. Da hat sie nochmal Glück gehabt. Dafür gebe ich ihr auch mal so rein gar nichts von meinen getrockneten Kaninchenstreifen ab. Mhm, möchte sie wohl auch nicht probieren. Da habe ich auch Glück gehabt, so gibt es keine Kloppe!!!

Am Wochenende haben wir nochmal den schönen, warmen Herbst im Garten genossen und ich habe bei den Nachbarn ein Kaninchenohr abgestaubt. Zu blöd, dass die Gartensaison so gut wie vorbei ist. Dann treffe ich die Nachbarn nicht mehr am Zaun und keiner streichelt mich und spendiert mir ein Lekkerchen. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt. Ich muss nur aufpassen, dass der Zaun nicht voll zu wuchert. Da muss auf jeden Fall eine Lekkerlidurchreiche frei bleiben.

Bis bald

Toni

 

Brief 184- Abschied von Clyde

 

 

Hallo,

etwas sehr trauriges ist passiert. Der gute, alte Clyde ist am Wochenende gestorben. Er ist ganz friedlich eingeschlafen und über die Regenbogenbrücke gegangen. Dort trifft er  viele wieder. Seine Bonnie ist schon dort und unser lieber Hannes auch. Der wird ihn vermutlich schwanzwedelnd empfangen und ihm zur Begrüßung erst einmal die Ohren ausschlecken. Das hat er immer bei Clyde gemacht. Und meine Sandra mit den Schmatzgeräuschen in den Wahnsinn getrieben. Clyde und Hannes hat das aber mal so gar nicht interessiert und sie haben fröhlich damit weiter gemacht.

Außerdem war er einer meiner großen Vorbilder. Auch, wenn er glaube ich oft von mir genervt war. Aber o.k. Clyde war ja auch schon ein weiser Opi und ich noch ein Jungspund mit ganz viel Flusen im und auf dem Kopf. Da darf ein gesetzter Herr ruhig mal genervt grummeln. Besonders cool fand ich seine Fähigkeiten als Rettungshund. In dem Job hat er viel Gutes geleistet.

Jetzt kann er es sich gut gehen lassen und tollt bestimmt fröhlich über eine Wiese und futtert sein Lieblingsessen. Wobei, gut ging es ihm hier auch. Schließlich hat er bei seiner Sandra und Journo ein super tolles Leben gehabt und ist bis zum Schluss liebevoll umsorgt worden.

Die zwei werden ihn besonders vermissen.

Clyde, du wirst immer in unseren Herzen einen Platz haben. Lass es dir gut gehen.

„run free“

 

Toni und Sandra

und alle, die dich so gern hatten

Brief 183- 2 Jahre bei Sandra

Hallo,

heute vor 2 Jahren hat Sandra mich bei Leonie in Luxemburg abgeholt. Da war ich noch ein klitzekleiner Hasenfurz. Jetzt bin ich groß und fast erwachsen.

Uiiuiui, wenn ich an den Abholtag zurück denke… mir war schon etwas mulmig. Weg von Leonie, meiner Mutter Josie und meinen Geschwistern. Und weit weg von meiner vertrauten Umgebung. So schlimm war es dann aber gar nicht.

Sandras ganze Familie hat mich fröhlich empfangen und kümmert sich seitdem ganz liebevoll um mich. Natürlich rappelt es zwischendurch auch mal im Karton. Besonders, wenn ich wieder einmal Affenquatsch verzapft habe.

Und, Hannes, hat zu dem Zeitpunkt auch noch gelebt und mir beim Einleben in mein neues zu Hause geholfen. Von ihm konnte ich noch einiges lernen, bevor er gestorben ist. Er hat mir beigebracht, dass Pferdeäppel zum Essen da sind, dass wir uns nach Herzenslust in Kuhfladen wälzen können, ich vor bimmelnden Kirchenglocken und den Tierärzten keine Angst haben muss, dass der Postbote nichts klaut und er hat mir die große, weite Welt gezeigt.

Und nicht zu vergessen, die coolen Nachbarn. Da staube ich immer ein Lekkerchen durch den Zaun ab und sie unterhalten sich mit mir. Im Winter ist die Ausbeute allerdings nicht so groß, da sehen wir uns kaum.

Bis auf so ein paar Kleinigkeiten ist es bei Sandra auch supi. Woran sie noch arbeiten könnte, ist, dass sie mich, wenn sie kocht nicht aus der Küche schickt. Da fällt immer mal was runter und, wenn ich nicht vor Ort bin, komme ich nicht an die abgestürzten Sachen dran. Auf dem Sofa liegen darf ich auch nicht. Blöd, blöd, blöd… Aber das erlauben mir Sandras Eltern. Die stellen sich mit ihren Möbeln nicht so an!!! Sandra behauptet doch glatt, ich sei dort der Prinz.

Ihr seht, mir geht es gut und ich habe auch einen tollen Job. Mittlerweile bin ich ausgebildeter Therapiehund und bin mit Spaß bei der Sache.

Gruß nach Luxemburg und an alle meine Geschwister. Ich hoffe euch allen geht es gut.

Bis bald

Toni

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