Perroactivo

Ein Therapiehund unterwegs

Tag: Eritrea

Brief 158- mit Archemed in Eritrea

Hallo,

während ich eine Woche bei Sandras Eltern verbracht habe, ist sie mal wieder zu einer spannenden Reise aufgebrochen. Eigentlich wäre ich sehr gerne dabei gewesen, aber sie meinte, 20 Stunden Reise im Zug und Flugzeug bis nach Eritrea wäre nichts für mich. Da stelle ich mir doch erst einmal die Frage, wo ist Eritrea überhaupt??? Habe mir den Atlas geschnappt und nachgesehen. Eritrea ist ein kleines Land in Afrika. Dort ist das Leben für die Menschen nicht so einfach, wie bei uns. Es gab  Kriege mit Äthiopien, dem Sudan und auch eine lange Dürrekatastrophe. Außerdem ist das politische System recht schwierig.

Sandra ist mit Archemed dorthin gereist. Das ist eine Organisation, die sich um Kinder in Eritrea kümmert. Zusammen mit Kinderärzten, Krankenschwestern und Pflegern, Handwerkern und Herzchirurgen war sie in der Hauptstadt Asmara. Im Orottahospital haben sie Kinder mit Herzfehlern operiert. Also, nicht Sandra hat operiert. Davon hat sie ja mal so gar keine Ahnung. Aber das angereiste Herz Team schon. Mit viel Fachkenntnis, Fürsorge und Geduld haben sich alle liebevoll um die kleinen Patienten gekümmert. Und das ist eine perfekte Kombi, finde ich. Die Bedingungen sind allerdings nicht so gut, wie hier bei uns. Manchmal fällt sogar während einer OP der Strom aus. Aber auch das wurde von den Beteiligten gemeistert. Zur Not hält halt einer eine Taschenlampe hoch.

Was ich irre finde, ist wie schnell sich die Kids von so einer OP erholen. Viele konnten schon nach 2 Tagen von der Op-Intensivstation zur Kinderstation verlegt werden. Die, die schon laufen konnten, sind einfach zu Fuß rübergegangen. Dafür wäre eine Tapferkeitsmedaille fällig gewesen. Gummibärchen waren ein gefeierter Ersatz.

Sandra hat sich dann in ein Baby von der Frühgeborenenstation verliebt. Auf der sogenannten Neo, werden die kleinen Minimäuse „aufgepäppelt“ und so gut es geht medizinisch versorgt. Ihre Mütter wohnen nebenan in einem Mütterhaus und kommen im 3Stundentakt auf die Station, um die Kinder zu versorgen. Die Mütter bekommen 3 Mal täglich eine Getreidesuppe, damit sie ausreichend Milch und Kraft für ihre Kinder haben. Dank der Geldspenden, die Sandra in Deutschland dafür bekommen hat, ist die Suppe jetzt bis Dezember 2018 bezahlt und gesichert. Schwester Elsa hat die Spende strahlend entgegen genommen und wird dafür sorgen, dass die Mütter weiterhin mit Suppe versorgt werden.

Um die Kinderintensiv im Orotta haben sich Maren und Marit gekümmert. Die Station läuft immer besser. Sogar, wenn die deutschen Helfer nicht mehr vor Ort sind. Und das ist doch das, was gewünscht ist. Komplett überflüssig wird das Team aber so bald nicht werden.

Insgesamt, sind die medizinischen Bedingungen nicht vergleichbar mit unseren. Oft fehlen ganz simple Medikamente oder andere Dinge, um Patienten zu behandeln und zu versorgen. Auf der Kinderintensiv gibt es noch nicht einmal fließendes Wasser!!! Deshalb musste für die Stationswäsche eine Waschmaschine her, in die Wasser per Hand gekippt wird. Diese ist mit vielen anderen Spenden im Container nach Eritrea geschickt worden.

Zusätzlich haben alle, die hingereist sind im Gepäck noch viele nützliche und schöne Dinge mitgeschleppt.

Sandra hat von vielen lieben Menschen Medikamente, Kinderkleidung und Gummibärchen bekommen. Als sie für die Reisegepackt hat, habe ich schon befürchtet, sie würde auswandern. So viele Sachen lagen bei uns herum. Ich war gespannt, wie ein Flitzebogen, wie sie das alles in zwei Gepäckstücken unterbringen würde. Hat aber geklappt. Mit einem Riesenkoffer und einem bis in die letzte Ecke vollgestopften Trekkingrucksack ist sie losgezogen. Und sie hat mir erzählt, dass die Schlepperei sich gelohnt hat. Die Kids haben sich über die Gummibärchen und Luftballons wie verrückt gefreut.

Auch die mit viel Liebe genähten Kleidungsstücke und der Lagerungssack haben ihren Platz gefunden. Sandra war auch total begeistert von der Gastfreundlichkeit in Eritrea. Selbst, die, die selber kaum etwas haben, möchten das noch mit einem teilen.  Und ohne einen Kaffee oder Tee getrunken zu haben, darf man nicht gehen. Der Kaffee wird in einer aufwendigen Zeremonie zubereitet und schmeckt laut Sandra ziemlich gut.

Spannend fand sie auch den Besuch auf dem Metallmarket. Hier wird alles, aber auch wirklich alles an Metall angeboten und verarbeitet. Überall hört man das Klong-Klong vom Schlagen auf Metall. Dort arbeiten allerdings auch Kinder, die ihren Eltern nach der Schule noch helfen. Oder, die eventuell gar nicht zur Schule gehen.

Außerdem wird dort Chili verarbeitet. Uns treibt das die Tränen im Vorbeigehen in die Augen. Die Frauen dort, sortieren und mahlen die getrockneten Schoten einfach so. Da sieht man mal wieder, was wir Europäer für Mimöschen sein können.

Alles in allem haben alle Helfer dort gute Arbeit geleistet und sind mit Spenden im Gepäck hin und mit vielen Eindrücken zurück gereist.

Wichtig ist die nachhaltige Hilfe vor Ort, und da gibt es immer noch einiges zu tun. Wenn euch die Projekte interessieren, schaut einfach auf der Homepage von Archemed nach.

Sandra überlegt jetzt schon, wann sie wieder hinfährt. Ohne mich natürlich!!! Aber dafür bleibe ich doch gerne zurück und vielleicht fällt mir auch noch etwas ein, wie ich von hier aus helfen kann. Ich könnte doch einfach mal Stofftiere sammeln?! Meine kann ich leider nicht spenden. Die haben keine Ohren und Schwänze mehr. Und die Spenden sollten schon heile sein. Kaputtes sollen die Kids auch nicht bekommen.

Bis Bald

Toni

 

 

139- Eritrea März 2017

Hallo,

erst war ich ein bisschen angesäuert. Da steigt Sandra mit zwei riesigen Reisetaschen (und ich meine wirklich riesig!!!) einfach aus dem Auto aus und lässt mich zurück…O.K., ich war nicht alleine und ich durfte eine ziemlich coole Woche bei ihren Eltern verbringen. Aber, ich wäre auch gerne mitgereist. Sie hat nämlich einen ganz schön spannenden Trip gemacht.

Nach Eritrea. Dafür benötigt man ein Visum. Sonst steht da einer und sagt „ Ey, hier kommst du nicht rein!“ Allerdings in Englisch oder Tigrinya. Das wird nämlich in Eritrea gesprochen.

Eritrea, ich habe erst einmal geschaut, wo das überhaupt ist. Vermutlich nicht um die Ecke. Dann wäre sie bestimmt zu Fuß gelaufen.

Meine Recherchen haben folgendes ergeben. Eritrea liegt im subsaharischen Ostafrika und bildet mit Somalia, Äthiopien und Dschibuti das sogenannte „Horn von Afrika“. Im Nordosten grenzt es an das Rote Meer. Mit einer Landfläche von nur einem Drittel der Fläche Deutschlands gehört Eritrea zu den kleinsten Ländern in Ostafrika.
Die eritreische Wirtschaft wurde durch einen Grenzkrieg mit Äthiopien (1998-2000) und durch eine mehrjährige Dürre stark geschädigt. Eritrea gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. (Habe ich von der Archemedseite geklaut)

Deshalb hat Sandra auch zwei soooooooo große Taschen mitgenommen. Sie ist für die Hilfsorganisation Archemed nach Asmara geflogen und hatte viele Spenden dabei. Stofftiere, Kleidung und Medikamente. Alles davon und noch vieles mehr wird in Eritrea benötigt. Es fehlt irgendwie an allen Ecken und Enden. Selbst so simple Dinge, wie Zahnbürsten und Zahnpasta sind rar und für manche Menschen eine Art Luxusgegenstand. Oder die ganze Familie benutzt eine zusammen. Trotz der Armut und Entbehrungen sind die Eritreer ein sehr freundliches, herzliches Volk.

Das Archemed Team besteht aus vielen unterschiedlichen Leuten. Ärzten, Krankenschwestern, Architekten, Psychologen, Priester, Ingenieure, Physios, ein Fotografenteam und ein Journalist waren auch mit dabei.

Sandra war sehr beeindruckt von denen, die schon oft dort waren und was sie bereits erreicht haben. Vieles spielt sich auf dem Gelände des Orotta Hospitales in Asmara ab.

Katy und Maren z.B. haben die Picu aufgebaut. Das ist eine Kinderintensivstation. Jetzt können dort schwer erkrankte Kinder gepflegt werden. Leider sind die Bedingungen trotz allem Engagement sehr eingeschränkt. So gibt es kein fließendes Wasser auf dieser Station. Stellt euch das mal vor!!! Aber die zwei haben improvisiert und es geschafft, dass eritreische Krankenschwestern geschult wurden und die hygienischen und medizinischen Bedingungen verbessert wurden. Jedes Mal, wenn sie dort sind, einen Schritt mehr. Dabei sind sie aber auf Sachspenden und Geldspenden angewiesen, damit vor Ort weitere Maßnahmen ergriffen werden können. Traurig ist, dass oft Medikamente fehlen und Kinder deswegen schwer krank sind und sogar versterben. Und es sind meist ganz banale Medikamente, die helfen könnten.

Schön ist es, dass diese Station auch weiter läuft, wenn die deutschen Krankenschwestern weg sind. Gut geschult würde ich sagen!!!

Aber nicht nur das. Die zwei kümmern sich auch um ehemalige Patientenfamilien. An einem Tag haben sie Sandra mit ins Village genommen. Das ist so etwa, wie ein Slum oder Favelas. Dort haben sie Kleidung und Spielzeug gezielt an Familien verteilt, die wenig haben. Viele Familien haben keine Möglichkeit Sachspenden zu bekommen. Quasi so ein bisschen, wie „die vergessenen Familien“. Aber dank Katy, Maren und einigen anderen, werden sie glücklicherweise nicht vergessen.

Sandra hatte vor Rührung Tränen in den Augen, als sich die Kids über eine Tüte Gummibärchen gefreut haben, als sei es ein wertvoller Schatz. Ganz toll war auch, dass zwei Kids aus Deutschland extra einen Brief zu ihren Stofftieren gelegt haben. Darüber haben sich die neuen Besitzer der Tiere volle Möhre gefreut.

Es gibt aber noch eine Station, auf der Sandra ihr Herz verloren hat. Die Neo. Das ist die Frühgeborenenstation. Schwester Silke hat sie zusammen mit deutschen Kolleginnen aufgebaut und wird auch von deutschen Kinderärzten unterstützt. Auch diese Station läuft dank der guten Anleitung weiter, wenn das deutsche Team weg ist. Die eritreische Headnurse Elsa und ihr Team wuppen das mit viel Hingabe. Leider versterben noch immer viel zu viele Babys, weil sie oft miniklein zur Welt kommen. Die Spätfolgen, die durch die Beschneidungen der Frauen entstehen, erschweren die Geburten massiv und gefährden Mutter und Kind. Die Babys bekommen auch erst einmal keinen Namen und heißen „Baby von Name der Mutter“. Ich hätte also geheißen „Baby von Josey“.

Wenn die Kinder stabil sind und die Entlassung ansteht, bekommen sie einen eigenen Namen.

Auch auf dieser Station fehlt viel. Sauerstoffmasken, Medikamente, Mützchen, Kleidung und , und, und…

Alle geben ihr Bestes und organisieren was nur möglich ist.

„Geht nicht gibt es nicht!!!“ Das gilt z.B. auch für das Stillen. Die Mutter muss Stillen, sonst verhungert ihr Baby. Damit das besser klappt leben die Mütter im Mutterhaus, so lange, bis ihre Babys entlassen werden können. Sie gehen zur Versorgung der Minibabys alle drei Stunden zur Neo rüber.

Silke, Doro und das Team haben organisiert, dass die Mütter zweimal pro Tag eine Getreidesuppe bekommen. Dann sind sie besser ernährt und haben genug Milch für ihre Babys. 20 Euro sichert die Suppe für einen ganzen Monat für alle Mütter im Mutterhaus. Supigut finde ich.

Sandra hat mir von einem Baby erzählt. Der Junge ist mit 900g zur Welt gekommen. Das ist noch nicht einmal so viel, wie eine Packung Mehl!!! Jetzt wiegt er stolze 1600g. O.K. ein Brocken ist er immer noch nicht, aber es geht ihm ganz gut und alle hoffen, dass seine Mama und er bald nach Hause umziehen können.

Ach, es gäbe noch viel mehr zu erzählen. Vom Herzteam, das regelmäßig nach Eritrea fliegt und Kinder operiert.

Von der Klumpfußambulanz…

Dem sozialpädiatrischen Team… Das organisiert Workshops für Eltern mit Kindern, die mentale Defizite haben.

Nicht zu vergessen, die Orte außerhalb von Asmara.

Dorok, ein Dorf in dem ein Pfarrer alles gibt, damit es den Bewohnern gut geht. In den Dörfern gibt es sogar noch Kinder, die nicht zur Schule gehen und Ziegen hüten. Aber, das finden sie eventuell gar nicht so schlimm? Vielleicht sind sie glücklich, weil sie bei ihrer Familie sind und vermissen es gar nicht zur Schule zu gehen. Wichtig ist, dass sie genug zum Essen und Trinken haben und gesund sind.

Keren, eine Stadt in der Archemed ein neues Gebäude errichtet. Dort soll Geburtshilfe, Neonatologie und Kinderstation unter ein Dach gebracht werden.

Es gibt noch andere Dörfer und Städte, in denen Archemed aktiv ist. Die hat Sandra während ihres Aufenthaltes aber nicht besucht.

Mehr Infos und tolle Aufnahmen findet ihr auf der Internetseite von Archemed und der von „ two little designers“.

 

 

Sandra sagt, man müsse für sich klar haben, dass man die Welt nicht retten kann, aber im Kleinen anfangen, würde schon helfen.

Manche Dinge und Gegebenheiten müssen akzeptiert und hingenommen werden, auch wenn es sehr, sehr schwer fällt, traurig und wütend macht. Aber es lohnt sich, wieder zu kommen und auch von Deutschland aus kann viel erreicht werden. Den Menschen muss vielleicht klar gemacht werden, dass die alte Bettwäsche und Kleidung nicht weggeschmissen wird. Lieber sammeln, ab damit in einen Karton und bitte bei einer Sammelstelle abgeben.

Auch ein Stofftier mit oder ohne Brief wirkt Wunder. Aber nicht, wenn es auf dem Dachboden verstaubt oder in der Mülltonne landet.

Medikamente, die nicht gebraucht werden und noch haltbar sind, werden auch viel zu oft entsorgt. Woanders können sie eventuell ein Leben retten.

Ich als Hund kann an diesem Punkt wirklich nicht so viel erreichen. Wenn ich was von meinem Futter abzwacke bringt das leider keinem Kind was, und meine angesabberten Stofftiere möchte, glaube ich auch keiner haben.

Deshalb erzähle ich einfach allen davon, was ich in Erfahrung gebracht habe. Und ich hoffe, dass eventuell ein paar von euch sich für die Arbeit von Archemed oder anderen Organisationen interessieren.

Doam leiti (Gute Nacht, auf Tigrinya)

Toni

 

Brief 101 – Archemed 2

Hallo,

seht mal, ich habe Fotos aus Eritrea bekommen. So schön!!! Die Kids und Mitarbeiter des Kinderheimes haben sich über eure Spenden riesig gefreut und möchten sich bei euch allen bedanken.

Alles ist gerecht verteilt worden und selbst eine einfache Tüte Gummibärchen bringt dort noch jemanden zum Strahlen.

Eine weitere gute Neuigkeit ist, dass Herr Schräder endlich die Genehmigung für den Bau eines Kinderorthopädie- Zentrums in Asmara erhalten hat. Im Herbst geht es los.

Wie bereits berichtet, ist die medizinische Versorgung vor Ort viel besser geworden. Auch durch die Hilfe von ARCHEMED. So gab es in der letzten Woche eine riesige Sensation. Zum ersten Mal seit Jahren sind gesunde Drillinge zur Welt gekommen. Sie werden noch in der Klinik versorgt. Alle hoffen aber, dass sie bald zu ihrer Familie nach Hause können.

Mehr möchte ich jetzt gar nicht schreiben. Ich denke, die Fotos sagen den Rest…

Danke an Euch für die Hilfe. Wir werden fleißig weiter sammeln und bald wieder Stofftiere und Kinderkleidung zu ARCHEMED bringen. Auf das es noch mehr strahlende Gesichter gibt 😉

Bis bald Hannes

© 2018 Perroactivo

Theme by Anders NorenUp ↑